< European scientists unite to safeguard precision breeding for sustainable agriculture
25.10.2018

Zusammenschluss europäischer Wissenschaftler soll Präzisionszüchtung für nachhaltige Landwirtschaft sichern


Tübingen, 25. Oktober 2018. Führende Wissenschaftler aus mehr als 75 europäischen Pflanzen- und Biowissenschaftsforschungszentren und -instituten haben ein Positionspapier verabschiedet, in dem die europäischen Entscheidungsträger dringend aufgefordert werden, Innovationen in Pflanzenwissenschaften und Landwirtschaft zu sichern.

Die Wissenschaftler sind zutiefst besorgt über einen kürzlich getroffenen Entscheid des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu modernen Methoden der sogenannten Genomedierung. Dieser könnte zu einem faktischen Verbot innovativer Pflanzenzüchtung führen, was zur Folge hätte, dass den europäischen Landwirten eine neue Generation klimaresistenter und nährstoffreicherer Nutzpflanzen vorenthalten werden könnte, die dringend benötigt werden, um auf die aktuellen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu reagieren. Gemeinsam mit den unzähligen Stellungnahmen europäischer Forschungsinstitute, die in den letzten Monaten online erschienen sind, ist diese Positionierung ein Beweis für einen tiefen Konsens zwischen den Wissenschaftlern der akademischen biowissenschaftlichen Forschungsgemeinschaft in Europa über die negativen Folgen dieser EuGH-Entscheidung.

Die Verbesserung von Nutzpflanzen wird seit Jahrhunderten durch konventionelle Pflanzenzüchtungstechniken erreicht, die alle zu genetischen Veränderungen in der Pflanze führen. Innovative Techniken, die es ermöglichen die gewünschten genetischen Veränderungen mit sehr hoher Effizienz und Präzision direkt durchzuführen, stellen heutzutage einen wichtigen nächsten Schritt in der Pflanzenzüchtung dar.

Innovative Pflanzenzüchtungsmethoden sind notwendig, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.
Die Landwirtschaft ernährt die Welt. Aus diesem Grund zählt der Zusammenbruch der Nahrungsmittelsysteme zu einem der größten Risiken des Klimawandels. Kulturpflanzen, die toleranter gegenüber sich schnell verändernden und ungünstigeren Umweltbedingungen sind, wie z.B. die diesjährige extreme Trockenheit in Teilen Europas, werden für den Erfolg der Nahrungsmittelproduktion von morgen entscheidend sein. Einer der jüngsten Durchbrüche auf diesem Gebiet ist die Präzisionszüchtung, eine innovative Pflanzenzuchtmethode, die auf der Genomedierung basiert. Präzisionszüchtung kann dazu beitragen, die Kulturpflanzen an ein bestimmtes Gebiet anzupassen, indem die dortigen Umweltfaktoren berücksichtigt werden. Präzisionszüchtung wird auch verwendet, um Nutzpflanzen mit verbesserter Nährstoffzusammensetzung, verbesserter Verdaulichkeit, niedrigerem Gehalt schädlicher Inhaltsstoffe, reduziertem Allergiepotenzial oder mit geringeren Wachstumsanforderungen zu erzeugen, was wiederum einen direkten Nutzen für unsere Umwelt hat.

Europäische Pflanzenforschungsinstitute rufen gemeinsam zum Handeln auf.
Die Auswirkungen einer sehr restriktiven Regelung innovativer Pflanzenzüchtungsmethoden sind weitreichend. Europäische Innovationen in der Landwirtschaft auf der Grundlage der Präzisionszüchtung werden aufgrund der hohen Schwelle, die diese EU-Gesetzgebung herbeiführt, zum Erliegen kommen. Dies wird den Fortschritt in der nachhaltigen Landwirtschaft behindern und der Pflanzenzüchtung in Europa einen Wettbewerbsnachteil bringen. Die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und Wirtschaft werden enorm sein.

Um die Innovation in der Landwirtschaft in Europa zu sichern, fordern die Unterzeichner des Positionspapiers neue rechtliche Rahmenbedingung, welche neue Sorten wissenschaftlich bewertet.

Dirk Inzé, wissenschaftlicher Direktor am VIB in Flandern, Belgien und einer der Initiatoren des Positionspapiers: "Die Unterstützung, die wir von Pflanzenwissenschaftlern in ganz Europa für diese Initiative erhalten haben, war von Anfang an überwältigend. Für mich ist dies ein deutliches Zeichen für den aktuellen Zwiespalt in Europa: Als führende Pflanzenwissenschaftler in Europa sind wir verpflichtet, innovative und nachhaltige Lösungen für die Landwirtschaft zu schaffen, aber wir werden durch einen veralteten Regulierungsrahmen behindert, der nicht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Wir hoffen, dass wir mit dieser Grundsatzerklärung die evidenzbasierte Politikgestaltung in der EU fördern, die für uns alle von entscheidender Bedeutung ist."

Lesen sie das Positionspapier, inkl. der Liste der bisherigen Unterzeichner, zum EuGH-Urteil über CRISPR hier.